Lymphdrainage

Das Fachgebiet

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie ist ein medico-mechanisches Verfahren, das die physiologische Lymphdrainage unterstützt und verbessert, die Ödemflüssigkeit mobilisiert und Proteinfibrosen lockert.

Schematische Darstellung des Lymphgefäßsystems im männlichen Körper Schematische Darstellung des Lymphgefäßsystems im weiblichen Körper

Komponenten der KPE

  • Manuelle Lymphdrainage
  • Kompressionstherapie
  • Entstauungsgymnastik
  • Atemtherapie
  • Hautpflege
Herkunft

Wie die Therapie entstanden ist

Erste therapeutische, theoretische und praktische Grundlagen der komplexen physikalischen Entstauungstherapie wurden von Alexander von Winiwarter und von Dr. Emil Vodder geschaffen. Winiwarter entwickelte die Kompressionstherapie, während Vodder die Manuelle Lymphdrainage etablierte. Gemeinsam stellten sie 1936 anlässlich der Gesundheitsausstellung „Santé et Beauté“ in Paris die Manuelle Lymphdrainage als Teildisziplin der KPE einer breiten Öffentlichkeit vor.

Während des Zweiten Weltkrieges geriet die Therapie in Vergessenheit, bis in den sechziger Jahren Dr. Johannes Asdonk die Manuelle Lymphdrainage kennenlernte, von Dr. Vodder übernahm und weiterentwickelte. Ihm verdanken wir Therapeuten die heute meistverordnete Therapieform und die Patienten eine Linderung ihres Leidens. Als Arzt erkannte er die ungeheure Wichtigkeit dieser Methode. Er erstellte als erster eine Liste von Indikationen und entwickelte das heute immer noch einzigartige Behandlungskonzept, nach dem erstmals durch konservative Maßnahmen eine erfolgreiche Therapie von Ödemkrankheiten möglich ist.

Er gründete 1967 die „Deutsche Gesellschaft für Lymphologie“, 1969 die Asdonk-Schule und 1973 die weltweit erste und heute älteste Klinik für Lymphologie und Ödemkrankheiten, die Feldbergklinik Dr. Asdonk in St. Blasien. Für seine hervorragenden medizinischen Leistungen erhielt Dr. Asdonk das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Durch seinen unermüdlichen Einsatz gelang es 1974, die Manuelle Lymphdrainage als Kassenleistung zu etablieren.

Vertiefung

Geschichte der Manuellen Lymphdrainage

Über zweitausend Jahre von der ersten Beobachtung „weißen Blutes“ bis zur anerkannten Kassenleistung.

Von Hippokrates bis Asellius

Der griechische Arzt Hippokrates (ca. 460–375 v. Chr.) und der griechische Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) beschrieben bereits Gefäße mit „weißem Blut“ bzw. „Milchgefäße – Ductus lactei“, die Aristoteles bei einem Lamm feststellte.

Lange Zeit war dieses Wissen verschollen. Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts tauchten Begriffe wie „Vena alba thoracis“ von Eustachi (1510–1574), die er bei einem Pferd erforschte, und „Chylos“ von Parè (1510–1590) auf. Parè beschreibt eine „Mandel-Milch“, die bei der Verdauung von Speisebrei (Chymus) durch die Darmwand tritt und über „mesarische Venen“ zur Pfortader gelangt.

Doch erst 1622 entdeckte Caspar Asellius in Mailand bei einer Vivisektion eines Hundes „weiße Stränge“ im Mesenterium. Durch diese Entdeckung unter Zeugen geht Asellius als der eigentliche Entdecker des vorwiegend abdominellen Lymphgefäßsystems in die Geschichte ein.

Die Erforschung des Lymphgefäßsystems
  • 1622 – 1674Pecquet

    Entdeckte vom Chylos ausgehende, bis dahin unbekannte milchführende Gefäße (Ductus thoracicus) über die Zwerchfellgrenze hinaus, welche in die Schlüsselbeinvenen münden.

  • 1630 – 1672Rudbeck

    Beschreibt um ca. 1650 die Lymphgefäße des Abdomens und stellte als erster eindeutig fest, dass die Lymphe vom Gewebe über Lymphgefäße und den Ductus thoracicus zurück in den Blutkreislauf fließt.

  • 1653 – 1712Peyer

    Beschreibt die „Folliculi lymphatici aggregati“, die heutigen „Peyer’schen Plaques“ im Dünndarm (heute: Lymphfollikel, Bildung von Antikörpern).

  • 1718 – 1783Hunter

    Bestätigt endgültig, dass das Lymphgefäßsystem nicht nur den Bauchraum, sondern den ganzen Körper betrifft.

  • 1739 – 1774Hewson

    Erläutert die „Lymphbildung“. Ihm war klar, dass ein Mechanismus die kleinsten „absorbierenden“ Lymphgefäße öffnen und schließen muss (Flatterventilfunktion).

  • 1755 – 1815Paolo Mascagni

    Ihm gelingt es, das gesamte Lymphgefäßsystem grafisch darzustellen. Seine Zeichnungen der Verzweigungen sind bis heute gültig. Er beschrieb die Ursachen des Lymphödems: erstens die Verstopfung der Lymphknoten (Lymphknotenfibrose) und zweitens die Dilatation der absorbierenden Gefäße (Lymphangiektasie), so dass die Klappen den Rückfluss nicht verhindern.

  • 1844Herbst

    Beschreibt die Lymphangiomotorik.

  • 1816 – 1894Ludwig

    Benutzt erstmals das „Berliner Blau“, um die Lymphgefäße darzustellen. Damit konnte der Zusammenhang zwischen Durchblutung und hieraus resultierender Lymphbildung festgestellt werden. Er untersuchte die aktive und passive Hyperämie und bewies, dass eine Komprimierung der Venen (Muskelpumpe) den Lymphperfusionsdruck erhöht, wie auch eine Erwärmung des Gewebes zu einer Erhöhung der Lymphtransportkapazität führt.

  • 1866 – 1927Starling

    Beschrieb mit seinem „Starling’schen Gesetz“ die bis heute gültige, mittlerweile jedoch in Frage gestellte Vorstellung von Filtration und Reabsorption im Kapillarschenkel des Gefäßsystems wie auch die Bewältigung der Überschussflüssigkeit (Sicherheitsventilfunktion) durch das Lymphsystem.

  • 1887 – 1956Drinker

    Beschreibt eine wesentliche Funktion des Lymphgefäßsystems: den Rücktransport des interstitiellen Eiweißes (großmolekulare lymphpflichtige Lasten) in den Blutkreislauf.

  • 1936 – 1997 / 1930 – 1998Casley-Smith und Castenholz

    Legen mit der Einführung des Rasterelektronenmikroskops die Grundlage für das Verständnis der Lymphbildung. Sie beschrieben die lymphatischen, eichenblattförmigen Endothelzellen, die offenen und geschlossenen interzellulären Junctions, die interstitiellen Kanäle und anderes mehr.

  • Gowan

    Ihm gelingt es, durch neue Markierungstechniken die Wanderung von Lymphozyten im Körper zu analysieren.

  • 1928 – 2006Weissleder

    Führt die Lymphszintigraphie ein. Diese diagnostische Methode dient zum einen der Darstellung des Verlaufs und zum anderen der Funktionsanalyse von Lymphgefäßen.

Was daraus geworden ist

Während im 16. und 17. Jahrhundert die fast vollständige Darstellung der Anatomie des Lymphgefäßsystems vorangetrieben wurde, begann im 18. und 19. Jahrhundert mit der Einführung der Mikroskopie die Erforschung der Physiologie des Lymphgefäßsystems. Erst mit der Entwicklung diagnostischer Verfahren (Mitte des 20. Jahrhunderts) wurden die Grundlagen für die Erforschung der Krankheitslehre und für die Entwicklung der therapeutischen Methoden geschaffen.

Trotz dieser über die Jahrhunderte manifestierten Erkenntnisse ist die Lymphologie heutzutage immer noch ein junges Teilgebiet der Medizin, dem nicht die Bedeutung zugeschrieben wird, die sie eigentlich verdient.

Literaturhinweise
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  • Witte C. L., M. H. Witte: A forgotten woman professor and lymphologist. Lymphology 1998; 31: 27–29

Weiterlesen

Wo es ausführlicher steht

Die Feldbergklinik Dr. Asdonk in St. Blasien, in der ich von 2007 bis 2011 gearbeitet habe, war die weltweit erste Fachklinik für Lymphologie. Sie und die Seeklinik Zechlin halten auf ihrer Website ausführliche Informationen zu Lymphödem, Lipödem und anderen Ödemkrankheiten bereit.

asdonk-online.de  (externe Seite)

Informationsbroschüre zum Herunterladen

Die Asdonk-Kliniken haben ihre Informationsbroschüre zu Krankheitsbildern, ambulanten und stationären Behandlungen von Ödemkrankheiten sowie zum Qualitätsmanagement freigegeben. Hans Loga darf sie hier zum Download anbieten.

Broschüre als PDF herunterladen  (PDF, 1,7 MB, 68 Seiten, 4. Auflage Januar 2014)