Geschichte des Lymphgefäßsystems

Historisches

Hippokrates (ca. 460 - 375 v.Chr.), griech. Arzt des Altertums, sprach bereits von Gefäßen die „weißes Blut“ führen.

Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) griech. Philosoph und auch griechische Ärzte der alexandrinischen Schule beschrieben in alten Schriften „Milchgefäße beim Lamm“ als „ductus lactei“. Danach gerieten diese Erkenntnisse fast für zwei Jahrtausende wieder in Vergessenheit. Von Alexandria aus gelangte dieses Wissen um 980 – 1037 über die arabische in die mittelalterliche, europäische Medizin.

Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts werden in der Literatur Lymphgefäße erwähnt.

Bartolomaeo Eustachi (1510 – 1574) fand beim Pferd eine Vena alba thoracis. Nach ihm wurde die „Eustachische Röhre“ benannt.

Ambroise Parè (ca. 1510 – 1590) berühmter Chirurg der Renaissance, erwähnt den Begriff „Chylos“. Seine Hypothese: Der durch die Verdauung entstandene Speisebrei „Chymus“ bildet eine als „Mandel-Milch“ bezeichnete Flüssigkeit, die nach Durchtritt durch die Darmwand über „mesaraische Venen“ zur Pfortader gelangt.

Caspar Asellius (1581-1626) wirkte in Mailand und war der eigentliche Entdecker des vorwiegend abdominellen Lymphgefäßsystems. Am 23. Juli 1622 entdeckte Asellius bei einer Vivisektion eines „wohlgenährten Hundes“ im Mesenterium weiße Stränge.

Jean Pecouet (1622 - 1674) entdeckte vom Chylos ausgehende, bis dahin unbekannte milchführende Gefäße (Ductus thoracicus) über die Zwerchfellgrenze hinaus, welche in die Subclaviavenen münden.

Olof Rudbeck (1630 - 1672) beschreibt um ca. 1650 die Lymphgefäße des Bauchraums und stellte als erster eindeutig fest, daß die Lymphe vom Gewebe über Lymphgefäße und dem Ductus thoracicus zum großen Kreislauf fließt.

Johann C. Peyer (1653 – 1712) beschreibt die „Folliculi lymphatici aggregati“, die heutigen „Peyer´sche Plaques“ um den Dünndarm.

William Hunter (1718 - 1783) bestätigt endgültig, daß das Lymphgefäßsystem nicht nur den Bauchraum, sondern den ganzen Körper betrifft.

William Hewson (1739 - 1774) beschreibt das Problem der „Lymphbildung“. Ihm war bewußt, daß irgendein Mechanismus die kleinsten „absorbierenden „ Lymphgefäße geöffnet haben muß.

Paolo Mascagni (1755 - 1815) gelingt es, daß gesamte Lymphgefäßsystem darzustellen. Seine Zeichnungen der Verästelung des Lymphgefäßsystems sind bis heute gültig. Er beschriebt die Ursachen des Lymphödems: a) Verstopfung der Lymphknoten und b) die Dilatation der absorbierenden Gefäße, so daß die Klappen den Rückfluß nicht verhindern.

Herbst (1844), ein Deutscher beschreibt die Lymphangiomotorik

Carl Ludwig (1816 - 1894) benutzt erstmals das „Berliner Blau“ um die Lymphgefäße darzustellen. Damit konnte der Zusammenhang zwischen Durchblutung und hieraus resultierender Lymphbildung festgestellt werden. Er untersuchte die aktive und passive Hyperämie und bewies, daß eine venöse Obstruktion den Lymphfluss steigert, wie auch eine Erwärmung einer Extremität zu einer Vermehrung des Lymphflusses führt.

Ernest Starling (1866 – 1927) beschreibt mit seiner „Starling-Hypothese“ die bis heute gültige Vorstellung von Filtration und Reabsorbtion im Kapillarschenkel des Gefäßsystems wie auch die Bewältigung der Überschußflüssigkeit durch das Lymphsystem.

Cecil A. Drinker (1887 – 1956) beschreibt eine wesentliche Funktion des Lymphgefäßsystems, den Rücktransport des interstitiellen Eiweißes zum Blutkreislauf.

John Casley-Smith (1936 – 1997) & Hans A. Castenholz (1930 – 1998). Mit Einführung des Rasterelektronenmikroskops wird die Grundlage für das Verständnis der Lymphbildung vorangetrieben. Er beschrieb

die lymphatischen Endothelzellen, die offenen und geschlossenen interzellulären Junctions, die interstitiellen Kanäle und vieles mehr.

I.L. Gowans gelingt es, durch neue Markierungstechniken von Lymphozyten, deren Wanderung im Körper zu analysieren.

Horst Weissleder (1928 - 2006) führt die Lymphszintigraphie ein. Diese diagnostische Methode dient nicht nur der Darstellung des Verlaufs von Lymphgefäßen, sondern besonders auch zur Analyse der Funktion von Lymphgefäßen.

Zusammenfassung: Mit der kompletten Darstellung der Anatomie des Lymphgefäßsystems im 16./17. und 18. Jahrhundert (Einführung der Mikroskopie), mit der Erforschung der Feinstruktur und der Physiologie des Lymphgefäßsystems im 19. Jahrhundert und mit der Entwicklung diagnostischer Verfahren (Mitte 20. Jahrhundert) wurde nun die Basis für die Erforschung der Krankheitslehre und somit auch die Basis für die Entwicklung der therapeutischen Methoden geschaffen.

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie

Die „komplexe physikalische Entstauungstherapie“ (KPE) als eigenständige Therapieform ist ein junges Teilgebiet der Medizin. Erste therapeutisch theoretische und praktische Grundlagen wurden von Alexander von Winiwarter und von Emil Vodder geschaffen. Winiwarter entwickelte die Kompressionstherapie, während Vodder die Manuelle Lymphdrainage etablierte. Gemeinsam stellten sie 1936 anlässlich einer Gesundheitsausstellung "Santé et Beauté" in Paris die manuelle Lymphdrainage als Teildisziplin der KPE einer breiten Öffentlichkeit vor.

Während der Kriegswirren geriet die Therapie in Vergessenheit, bis in den 60ziger Jahren Dr. Johannes Asdonk die manuelle Lymphdrainage über seine Frau Bartezko, eine Kosmetikerin, kennenlernte. Ihm verdanken wir Therapeuten die heutige meist verordnete Therapieform. Als Arzt erkannte er die ungeheure Wichtigkeit dieser Methode. Er erstellte als erster eine Liste von Indikationen und entwickelte das heute immer noch einzigartige Behandlungskonzept, nach dem erstmals durch konservative Maßnahmen eine erfolgreiche Therapie von Ödemkrankheiten möglich ist. Er gründete 1967 die Asdonk-Schule und 1973 die weltweit erste Klinik für Lymphologie und Ödemkrankheiten, die Feldbergklinik Dr. Asdonk.

Für seine hervorragenden medizinischen Leistungen erhielt Dr. Asdonk das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Durch seinen unermüdlichen Einsatz und dem seiner Therapeuten gelang es 1974 die Manuelle Lymphdrainage als Kassenleistung zu etablieren.

Literatur

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